In Zusammenarbeit mit sem Sorbischen Institut (Serbski Institut) laden wir alle Interessierten zu der internationalen wissenschaftlichen Konferenz

„Minderheiten hinter dem Eisernen Vorhang. Ballast oder Quelle der Identität?“ ein.

 

📅 Termin: 23.-24. September 2026

📍 Ort: Hotel Diament in Zabrze/Hindenburg

👥 Referenten: Wissenschaftler aus Polen, Deutschland, Tschechien und Ungarn; anerkannte Experten im Bereich der Minderheitenpolitik

🗣️ Übersetzung: Simultan ins Polnische und ins Deutsche

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist jedoch notwendig, spätestens bis zum 9. September 2026 – per E-Mail an die Adresse: biuro@fzentrum.pl.

Bei der Anmeldung bitten wir um die Angabe, ob Sie an der ganzen Konferenz oder an bestimmten Sequenzen teilnehmen möchten. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt; entscheidend ist die Reihenfolge der Anmeldungen.

Die Konferenz widmet sich den Politiken gegenüber nationalen, ethnischen und sprachlichen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa in den Jahren 1945-1990. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage nach den Lebensbedingungen von Minderheiten unter autoritären Regimen, die – im Bestreben nach gesellschaftlicher Vereinheitlichung – eine breite Palette an Kontroll-, Assimilations- und symbolischen Steuerungsinstrumenten einsetzten.

Nach 1945 wurden die Staaten Mittel- und Osteuropas zu Schauplätzen intensiver ideologischer Experimente. Die offizielle Doktrin der kommunistischen Internationalisierung, die die Brüderlichkeit der sozialistischen Nationen propagierte, stand in einem ständigen Spannungsverhältnis zu zentraler Überwachung, gesellschaftlicher Homogenisierung und sicherheitspolitischer Paranoia. In der Praxis führte dies sowohl zur selektiven Förderung bestimmter Gruppen als auch zur Marginalisierung oder Repression anderer, die als ideologisch unsicher oder „klassenfremd“ wahrgenommen wurden.

Besonders deutlich zeigte sich dies im Fall der Deutschen im Nachkriegspolen, deren Präsenz im offiziellen Diskurs immer wieder infrage gestellt wurde. In Schlesien sowie in Ermland und Masuren – Regionen mit einer komplexen und jahrhundertelangen Geschichte – zielte die staatliche Politik auf die Negation kultureller und historischer Kontinuitäten der lokalen deutschen Gemeinschaften ab. Ihr kulturelles Erbe wurde marginalisiert und im öffentlichen sowie schulischen Diskurs häufig ausschließlich durch die Brille der „Wiedergewinnung“ der Gebiete oder der Kriegsereignisse dargestellt. In der Folge wurde die deutsche Kultur, die dort seit Jahrhunderten präsent war, für viele Jahre an den gesellschaftlichen Rand gedrängt; ihre Auslöschung war Teil eines breiteren Projekts zur Schaffung einer einheitlichen staatlichen Identität.

Ähnliche Prozesse waren im gesamten Ostblock zu beobachten. Minderheiten bewegten sich zwischen formalen Gleichheitsversprechen und tatsächlichen Einschränkungen in sprachlicher, kultureller und politischer Hinsicht. Unter dem Druck staatlicher Politik wurde Identität für viele von ihnen zu einem Raum des inneren Widerstands und zu einem Erbe, das trotz fehlender institutioneller Unterstützung bewahrt wurde.

Ziel der Konferenz ist es, einen Raum für die Reflexion darüber zu schaffen, wie staatliche Minderheitenpolitiken der Zeit des Kalten Krieges die heutige Wahrnehmung von Vielfalt, das Verhältnis zwischen Mehrheit und Minderheiten sowie die Erinnerung an die multikulturellen Wurzeln der Region prägen. Dieses Erbe – über Jahrzehnte hinweg marginalisiert oder verzerrt – bildet heute einen Schlüssel zum Verständnis der komplexen Identitätsprozesse in Mittel- und Osteuropa.

 

Gefördert aus Mitteln der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung

Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern durch den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen finanziert

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